Plädoyer für den Schlager im Gottesdienst



In Wittenbach wurde kürzlich der zweite «Schlager-Gottesdienst» gefeiert. Damit sollen auch nicht regelmässige Besucher der Kirche angesprochen werden. Wie viel christliche Botschaft steckt in Schlagertexten? Ein Beitrag von Markus Baumgartner.

Der Schlager ist heute populär wie nie zuvor: Schlagerstars landen auf den vorderen Plätzen der Charts, Konzerte von Helene Fischer, Andrea Berg und Andreas Gabablier locken Tausende zu den Konzerten. Aber noch immer hat Schlagermusik mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, ein gängiges: Die Texte seien zu seicht. «Eigentlich müsste die Kirche sich viel intensiver mit Schlagertexten beschäftigen: Es gibt einige Schlager, die beim genaueren Hinsehen pointiert eine Botschaft propagieren, die identisch mit der christlichen Botschaft ist. Die Redaktion hat unter den aktuellen Songs einige Entdeckungen gemacht», hält das Pfarrblatt Bistum St. Gallen dagegen und publiziert dazu eine Schwerpunkt-Ausgabe. 
 
Schlager mit religiösen Werte und Botschaften vermitteln? Funktioniert das? Christian Leutenegger findet ja. Der katholische Pfarreibeauftragte von Wittenbach initiierte vor einem Jahr den ersten Schlagergottesdienst in der Kirche St. Konrad. Kürzlich fand die zweite Auflage statt. «Ein grosses Plus des Schlagers ist, dass er eine breite Masse anspricht, Kraft gibt und viele berührt. Dieselbe Motivation haben auch wir, die kirchliche Arbeit leisten. Deshalb kombinieren wir für einmal Schlagermusik mit Religion», beschreibt Leutenegger die Idee hinter dem Spezialgottesdienst im Pfarrblatt.
 
Helfen Schlagertakte dabei, die derzeit oft martialischen Töne der Welt auszublenden? Christian Leutenegger ist überzeugt davon: «Musik hilft einem, eine Auszeit vom Alltag, von seinen Sorgen zu nehmen. Schlager sind besonders dafür prädestiniert, um Menschen zusätzliche Lebensfreude zu vermitteln.» Vor rund einem Jahr entwickelte der Theologe zusammen mit dem Pfarreirat Wittenbach die Idee, einen Gottesdienst mit Schlagerliedern zu verknüpfen. So wurde zur Eröffnung des ersten Schlagergottesdienstes zur Melodie von «Es brennt ein Feuer im ewigen Eis» geschaukelt und das «Feuer der Sehnsucht» entfacht. Für die beschwingte Stimmung in der Kirche St. Konrad waren «Die Pläuschler» zuständig. Das Gossauer Schlager-Duo war bei der zweiten Durchführung wieder mit von der Partie.

«Mit dem Gottesdienst möchten wir das Potenzial nutzen, das im Schlager steckt: Er ist gut verständlich, volksnah und trifft den Nerv ganz unterschiedlicher Menschen», hält Christian Leutenegger fest. Der rote Faden beim Schlagergottesdienst 2017 war das Thema Ostern. «Hört man genau hin, geht es in vielen Schlagern um Neuanfänge. Um das Durchschreiten der Dunkelheit ins Licht. Ich versuchte während des Gottesdienstes die Besucher mit meinen Worten dahingehend zu sensibilisieren», erläutert Christian Leutenegger. So wurde der Bibeltext von David, wie er Saul durch Musik von seinen Depressionen befreite, als Beispiel von heilsamer Musik herangezogen. Unter die Schlagermelodien mischten sich zudem moderne Kirchenlieder wie «O Dio crea in me» oder «Herr, gib Ohren, dich zu verstehen». 

Mehr Texte von Markus Baumgartner finden Sie auf „Dienstagsmail“.




31.8.2017
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